Restzweifel

Doppelb Wolken

Die Frage, was wäre, wenn die Wolken vom Himmel fielen, konnte ihm in seiner Kindheit niemand beantworten. Weder sein Vater, der ihn immer mit zum Angeln an den großen Fluss nahm, noch seine Mutter, noch sein bester Freund. In der Schule hat er die Antwort irgendwann gelernt. Die Wolken plumpsen nicht hinab, sondern kommen als Regen, Hagel oder Schnee zur Erde. Doch ein Restzweifel ist geblieben.

Mittlerweile ahnt er, wie es sein könnte, wenn tatsächlich einmal tonnenschwere Wolken vom Himmel auf ihn stürzen sollten. Er ahnt es jedes Mal, wenn Menschen auf seinem Weg zur Arbeit durch ihn hindurch sehen, ahnt es, wenn sein Bartschatten enge Stirnen zum Runzeln bringt, wenn sein akzentfreies Deutsch auf der Straße Erstaunen erntet. Dabei lebt er hier, seit er klein ist. So könnte es sich anfühlen, so könnte er schmerzen, der Aufprall der Wolken.

In diesen Momenten wäre der Mann gerne schon in seinem Restaurant, hinter seinem Tresen, an dem jeder Gast des Wirtes Freund sein will. In seinem Lokal essen die Menschen und schwärmen von den Gerichten, sie lachen, prosten ihm zu. Sie fragen nach den raffinierten Gewürzen aus seiner Küche, nach seiner Familie, seinen Reisetipps. Und sie wippen mit ihren wein- und bierdurstigen Oberkörpern zu den Rhythmen aus seinem MP3-Player, die sie in Urlaubsträume katapultieren.

In diesen Momenten sind die Wolken für ihn vergessen, oder allenfalls Himmelsgebilde, mal luftig, mal dicht. Ohne jeden Zweifel.