Wolkenorakel

Wolkenorakel

Stürzte die Seebrücke ein, stünde sie auf Wolkenbeinen? Die Frau sitzt im Sand, Kopf im Nacken, stellt sich vor, das Bauwerk neben ihr balancierte auf Wolken statt auf mächtigen Betonpfeilern. Stimmenfetzen von schräg oben, Lachen. Zwei Funktionsjackenträger im Partnerlook posieren Arm in Arm am Holzgeländer, Um-die-Wette-Grinsen im Selfiewahn.

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Mittlebensgespenster

Dpb.Uhr

Vögel beobachten, bestimmen, zählen. Ein Naturschutzpraktikum auf einer unbewohnten Insel, drei Monate lang. Was für ein kurioses Angebot. Die Leute hatten es ihr vor Kurzem auf dem Sommerfest ihrer Agentur gemacht, als stünde sie nicht mitten im Job, als sei sie nicht zu alt für ein Praktikum, als sei sie kein Großstadtgewächs. Die Frau schüttelt den Kopf, glättet ihren Rock. Drei Monate in der Einöde. Ausgerechnet sie! „Mittlebensgespenster“ weiterlesen

Restzweifel

Doppelb Wolken

Die Frage, was wäre, wenn die Wolken vom Himmel fielen, konnte ihm in seiner Kindheit niemand beantworten. Weder sein Vater, der ihn immer mit zum Angeln an den großen Fluss nahm, noch seine Mutter, noch sein bester Freund. In der Schule hat er die Antwort irgendwann gelernt. Die Wolken plumpsen nicht hinab, sondern kommen als Regen, Hagel oder Schnee zur Erde. Doch ein Restzweifel ist geblieben.

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Werkstatt-Bericht

In den vergangenen Wochen hatte ich beruflich so viel zu tun, dass ich mir nur selten Zeit für mein Blog genommen habe. Entsprechend ruhig war es hier… Das soll sich nun wieder ändern! Ein paar Worte zu meinen aktuellen Projekten:

1. Seit einigen Tagen arbeite ich an einer neuen Geschichte. Die ersten Ideen dazu kamen mir in der U-Bahn. Wenn ich mich umschaue, Eindrücke sammle oder während der Fahrt aus dem Fenster sehe, springt irgendwann das Kopfkino an. Um meine Gedanken bei solchen Gelegenheiten zu fixieren, habe ich übrigens meist ein Notizheft in meiner Tasche.

2. Im September und Oktober habe ich hier zwei Kurztexte veröffentlicht, kombiniert mit doppelt belichteten Fotos: „Kneipengespräch“ und „Fragen stellen„. Die Bilder regen zum Träumen an, die Sätze zum Nachdenken. Künftig will ich in loser Folge weitere Doppelbelichtungen mit dazugehörigen kurzen Texten auf mein Blog zu stellen.

3. Auf den ersten Blick scheint es nicht hierher zu gehören: In letzter Zeit habe ich verschiedene Motive mit Linolschnittmessern in Druckgummi geschnitzt und damit Papiere bedruckt. Warum erzähle ich das? Ich arbeite gerne mit meinen Händen, und es hilft mir, den für meine Kurzgeschichten nötigen Abstand zu meiner journalistischen Tätigkeit zu gewinnen. Auch beim Joggen beispielsweise bekomme ich einen freien Kopf. Eine andere Beschäftigung, ein ähnlicher Effekt.

Und welche Dinge helfen Euch beim Abschalten?

Fragen stellen

Doppelbel Welle

Er öffnet die Augen. Diese Wassermassen! Eben noch sah es so aus, als wollten sie alles Feste fortspülen. Seine Bettdecke mitreißen, seinen angstschweißnassen Körper wie ein Stück Holz wegschwemmen, um die eigene Achse wirbelnd. Drei Uhr zehn. Rote Digitalziffern leuchten neben seinem Kopfkissen.

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